Bootstrapping

Bootstrapping: Ein Unternehmen aus der eigenen Tasche gründen

Viele Freiberufler wie Journalistinnen und Designer machen sich bereits während des Studiums selbstständig und verdienen sich so etwas für Miete, Collegeblöcke und den Kaffee in der Pause dazu. Als Ein-Personen-Unternehmen ist die Gründung aus eigener Tasche meist leicht gemacht. Denn neben einem Laptop und dem nötigen Arbeitsmaterial brauchen diese Berufsgruppen meist keine großen finanziellen Mittel, um zu starten.
Wenn du allerdings eine andere Geschäftsform wählst und beispielsweise eine GmbH gründest, brauchst du Startkapital, das du als Sicherheit – wie die Kaution bei einem Mietvertrag – auf deinem Geschäftskonto haben musst. Trotzdem kann auch in diesem Fall eine Gründung ohne Geld von außen gelingen.

Was ist Bootstrapping?

Bootstrapping nennt sich die Finanzierung eines Unternehmens aus Eigenkapital. Der Begriff stammt aus dem 18. Jahrhundert von der Redewendung „to pull oneself up by one’s bootstraps“, also sich selbst an den Stiefelriemen hochziehen. Darin steckt die Idee, dass Bootstrapping eine unmöglich zu bewältigende Aufgabe ist. Doch immer mehr Gründende haben bewiesen, dass es durchaus möglich ist, ein Unternehmen allein aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Die Herausforderung des Bootstrapping ist es also die Ausgaben gering zu halten und die Einnahmen gleichzeitig zu maximieren.

Warum Bootstrapping eine gute Idee sein kann

Wenn du ohne Kredit oder Kapital von Dritten startest, sparst du dir den Besuch bei deiner Bank oder das Pitchen vor potenziellen Investierenden. Diese Termine und deren Vorbereitung sind nicht selten mit erheblichem Aufwand verbunden und können Ihrer Gründungseuphorie oft auch einen ordentlichen Dämpfer verpassen.

Der größte Vorteil am Bootstrapping ist, dass du kein Risiko eingehst: Am Anfang deiner Gründung weißt du meist noch nicht, wie die Geschäfte mittel- oder langfristig laufen werden. Entsprechend kann ein Kredit da schnell erschlagend wirken. Zudem kann es immer sein, dass der Markt nicht so reagiert, wie erhofft. An dieser Stelle sind Optimismus und Gründereuphorie leider eher hinderlich. Denn schlimmstenfalls sitzt du am Ende auf einem Kredit, den du zurückzahlen musst, obwohl du keinen Gewinn erwirtschaftest. 

Wenn du die Gründung aus deinen eigenen Ressourcen heraus stemmst, bist du keinen Gläubigern gegenüber Rechenschaft schuldig und bist frei vom Einfluss möglicher Investierender. Dein Unternehmen gehört zu 100% dir und du hältst das finanzielle Risiko gering.

Wie geht Bootstrapping?

1. Strategisch planen

Wenn du weißt, was du auf den Markt bringen möchtest, kannst du berechnen, wie viel dich das kosten wird. Brauchst du einen neuen Computer? Ein Labor? Brauchst du Rohstoffe und Mitarbeitende? Überlege dir bis ins Detail, wofür du Geld benötigen wirst. Rechne dabei lieber konservativ: Erfahrungsgemäß wird es meist doch teurer, als du anfangs gehofft hast. Solltest du keine Zeit oder Lust haben, einen kompletten Businessplan zu schreiben, empfiehlt es sich dennoch, zumindest den rechnerischen Teil des Finanzplans

durchzugehen. Durch diese Auflistung bekommst du eine Idee davon, wie viel Geld du sparen solltest, bevor du gründest. Vielleicht erkennst du dadurch auch, dass du erst noch etwas sparen solltest und lieber später gründen willst. Schließlich gibt dir dein Finanzpolster die Freiheit, nicht verzweifelt deine Idee ausverkaufen zu müssen. Eine realistische Kostenplanung und eine ausgeklügelte Business-Strategie sind für erfolgreiches Bootstrapping entscheidend.

2. Berechne deinen Bedarf

Berechne dein Sparziel für dein Unternehmen – und vergiss dich dabei selbst nicht. Denn zum Bootstrapping gehört auch, dass du davon auch dein eigenes Leben finanzieren können musst, falls du nicht neben deiner Gründung angestellt arbeiten möchtest. Gehe dabei wie folgt vor:

Dein Sparziel:

Summe der Ausgaben für die Gründung, Anschaffungen, Dienstleistungen, Werbung etc.

+ Summe der Privatausgaben für 12 Monate

= dein ideales Startkapital

Die Summe kann durchaus Respekt einflößen. Aber keine Angst: Diese gesamte Summe brauchst du nur, wenn du keinen einzigen Euro mit deinem Unternehmen verdienst. Mit diesem Budget bist du auf der sicheren Seite.

3. Sparen, sparen, sparen

Auch das dürfen wir aus der Corona-Pandemie lernen: Ein finanzieller Puffer hilft dir durch saisonale Schwankungen, krankheitsbedingten Arbeitsausfall und unvorhersehbare Krisen. Solltest du momentan angestellt arbeiten, ist das eine gute Grundlage, um Geld für deine Gründung zur Seite zu legen. Wenn du nicht erst in fünf oder zehn Jahren gründen möchtest, empfehlen sich flexible Anlageformen wie Sparkonten oder Tagesgeld. Auch wenn du hier kaum Zinsen einstreichst, haben diese Sparprodukte den Vorteil, dass du jederzeit auf das Geld zugreifen und es auch nach und nach entnehmen kannst.

Extra Geld für diese Sparkonten kannst du durch Nebenjobs oder das Reduzieren deiner Ausgaben erwirtschaften. Auch kann es helfen, dich mit Büchern oder Podcasts über die finanziellen Aspekte des Gründens zu informieren.

4. Fange klein an

Wenn du dich auf den Weg machst, widerstehe dem Drang, von Anfang an ein kompliziertes Produkt oder eine Dienstleistung zu entwickeln. Konzentriere dich stattdessen darauf, ein Minimum Viable Product (MVP) zu entwickeln, das sich mit dem Kernproblem befasst, das dein Unternehmen lösen will. Ein MVP ist eine vereinfachte Version Ihres Angebots, mit der du den Markt testen und wertvolles Feedback von deinem Zielpublikum sammeln kannst. Wenn du klein anfängst, sparst du Ressourcen und hast die Flexibilität, dein Produkt durch Erfahrung zu iterieren und zu verbessern.

5. Validiere deine Idee

Bevor du viel Zeit und Geld investierst, solltest du deine Geschäftsidee validieren, um sicherzustellen, dass es eine echte Nachfrage nach deinem Produkt oder deiner Dienstleistung gibt. Sprich mit deiner Zielgruppe durch Umfragen, Interviews oder Vorbestellungen, um deren Bedürfnisse und Vorlieben kennenzulernen. Dieser Validierungsprozess wird dir helfen, dein Angebot zu verfeinern und zu vermeiden, dass du etwas am Markt vorbei entwickelst.

6. Halte deine Betriebskosten niedrig

Einer der wichtigsten Vorteile des Bootstrapping ist, dass du die Kontrolle über die Finanzen deines Unternehmens behältst. Sei sparsam und halte deine Betriebskosten so niedrig wie möglich, ohne Kompromisse bei der Qualität oder der Kundenzufriedenheit einzugehen. Erwäge den Einsatz von erschwinglichen oder kostenlosen Tools, Co-Working-Spaces und virtuellen Teams, um die Gemeinkosten zu senken. Jeder eingesparte Euro kann in das Wachstum deines Unternehmens zurückfließen. Es muss nicht gleich der Porsche als Dienstwagen sein – vielleicht reicht am Anfang auch ein Ticket für die Öffis.

7. Nutze strategische Partnerschaften

Die Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Unternehmen oder Organisationen kann für beide Seiten von Vorteil sein: So könnt ihr womöglich Ressourcen sparen. Suche nach strategischen Partnerschaften, die dein Angebot ergänzen oder ähnliche Zielgruppen ansprechen. Durch die Bündelung von Ressourcen, den Austausch von Wissen und die gegenseitige Werbung für Produkte oder Dienstleistungen kannst du deine Reichweite erhöhen und das Wachstum deines Unternehmens fördern. Konkurrenzdenken ist hier fehl am Platz. Meist hast du viel mehr davon, mit anderen zusammenzuarbeiten, als dich mit aller Macht abzugrenzen.

Bootstrapping ist ein guter Weg, deine unternehmerischen Träume zu verwirklichen. Fange klein an, validiere deine Idee und lege den Schwerpunkt auf die Generierung von Einnahmen. Halte dabei deine Betriebskosten niedrig und schaffe dir ein starkes Netzwerk. Am wichtigsten ist jedoch, dass du immer den Markt und deine Kundschaft im Blick behältst. Die Welt braucht deine innovativen Ideen und deine einzigartige Perspektive – und mit Bootstrapping schaffst du den Einstieg in den Markt aus eigener Kraft. ,